Love Inertia

Der Lockdown ist quasi vorüber. Wir alle freuen uns darauf. Das erlaubt uns, wieder zurück ins Leben zu steigen. Damit einher geht die Möglichkeit, seine(n) Liebste(n) wieder zu treffen.

Nur: Wie wird die Begegnung ablaufen? Können wir den uns selber auferlegten Erwartungen gerecht werden?

Wer viel reist, wird dies kennen: Die ersten Tage nach einer langen Pause können schwierig sein. Wie man so schön sagt: Zeit und Distanz heilt alle Wunden. Diese führen aber auch dazu, dass man eventuell den Takt in der Beziehung verliert. Unterschiedliche Erwartungen, es setzen nicht beide wieder dort an, wo man sich zuletzt begegnet ist.

Ich kannte mal jemand im Freundeskreis, der, sagen wir, ein ausschweifendes Leben führte. Darauf angesprochen, weshalb er sich nie tiefer auf eine Beziehung einliess, kam eine gerade Antwort: "Weil ich mir den Stress, mich anzupassen und zu verstehen, nicht antun möchte. Das ist Verschwendung. Im Moment, wo ich zur Tür reinkomme, wissen beide, worum es geht. Und wenn ich die Tür hinter mir zuziehe, ist es vorbei." Er ist mittlerweile in seinen 50-ern und immer noch ungebunden.

Er hatte die Beziehung zu Frauen stets auf der Körperliche reduziert. Positiv gesagt wussten beide Seiten dadurch, wo sie standen und worum es ging. Und waren zumindest in der Zeit auch im gleichen Takt. Er hat bewusst das "vorher" und "nachher" vermieden, weil er genau wusste oder spürte, dass dort Fehltritte unvermeidlich gewesen wären. Er war gewissermassen risikoavers, gleichzeitig sehr klar in der Äusserung seiner Bedürfnisse.

Echte, tiefe Beziehungen sind leider komplexer als seine. Wenn man sich nach langer Zeit wieder in einer Beziehung begegnet, ist es oft schwierig, sich einzupendeln, vor allem wenn man auf mehreren Ebenen nicht am gleichen Punkt ist. Die Lust aufeinander, die Unwissenheit, wie die letzten Wochen verbracht wurden, der Stress, eingepfercht gewesen zu sein, die fehlende Kommunikation, es gibt viele Gründe, weshalb die Beziehung nicht auf Knopfdruck wieder wie früher ist, eben "Love Inertia". Um dies zu überwinden, gibt es verschiedene Strategien, die ihr ausprobieren könnt:

  • Setting: Wenn man den richtigen Rahmen setzt (z.B. hat man zuletzt miteinander im Garten gefrühstückt mit der Musik, die beide mögen) und dort anknüpft, kann dies den Wiedereinstieg vereinfachen, weil man sich die gleichen positiven Erinnerungen aufrufen kann ohne darüber reden zu müssen
  • Gemeinsame Tätigkeiten: (z.B. zuletzt zusammen gemalt) weil man durch die gemeinsame Tätigkeit wieder auf Takt kommt
  • Überraschungen: Wenn man sich eine Überraschung bereithält, zeigt dies, dass die Zuneigung und das "ich hab an Dich gedacht und freue mich auf Dich" weiter da sind
  • Sich nicht unter Druck setzen: Die eigenen Erwartungen übertrieben niedrig ansetzen. Nichts muss. Alles kann. Und sich spielerisch über jeden gemeinsamen kleinen Zwischenhöhepunkt freuen.

Viel Erfolg!

-wp

 

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